7th Workshop in Behavioral and Experimental Health Economics, Innsbruck, 6. und 7. Februar 2020

Das „7th Workshop in Behavioral and Experimental Health Economics“ hat am 6. und 7. Februar 2020 in Innsbruck stattgefunden. Bei dieser Veranstaltung haben ca. 50 prominente Wissenschafterinnnen und Wissenschafter aus der ganzen Welt über den aktuellen Stand der Forschung im Bereich der Gesundheitsökonomik aus einer verhaltensökonomischen Perspektive berichtet und diskutiert. Organisiert wurde die Tagung von der Universität Innsbruck (Prof. Dr. Loukas Balafaoutas, Dr. Helena Fornwagner, Dr. Daniela Glätzle-Rützler) und dem MCI | Die Unternehmerische Hochschule® (Dr. Claudia Zoller). Die diversen Vorträge im Rahmen dieses Workshops können aus inhaltlicher Sicht zwei breiten Fragestellungen zugeordnet werden.

Die erste Fragestellung beschäftigt sind mit Institutionen und Anreizsystemen die dazu führen können, dass Berufstätige im Gesundheitswesen (in erster Linie Ärzte) angemessene Behandlungen im Interesse der PatientInnen anbieten, und gleichzeit auch im Sinne der wirtschaftlichen Effizienz und Nachhaltigkeit agieren. Konkret wurde über die Rolle von verschiedenen Versicherungsschemata berichtet, beispielsweise darüber, welche Kombinationen von Deckungssummen und Selbstbehalt dazu führen, dass unnötige Leistungen und Kosten für Patienten reduziert werden.

Ebenso wurde über verhaltensorientierte Aspekte diskutiert, die die Entscheidungen von Medizinern beeinflussen können. Diese beinhalten beispielsweise die Rolle von online Bewertungen für Ärzte und Praxen oder den Zusammenhang zwischen extrinsischen und intrinsischen Anreizen: es ist nämlich seit Jahrzehnten in der ökonomischen Forschung dokumentiert worden, dass hohe monetäre Anreize unter Umständen die eigene, altruistische Motivation für prosoziales Verhalten verdrängen können. Die Regulierung des Gesundheitssektors auf politischer Ebene ist dementsprechend eine sehr komplizierte Aufgabe, die viele institutionelle, wirtschaftliche, aber auch psychologische Faktoren berücksichtigen muss.

Ein konkretes Beispiel um dies zu veranschaulichen ist die Frage, ob und wann Offenlegungserklärungen im Gesundheitsbereich (z.B. die Offenlegung seitens einer Ärztin, dass sie im Rahmen einer klinischen Studie bezahlt wird oder dass sie für verschreibungspflichtige Medikamente Kommissionen bekommt) sinnvoll sind. Paradoxerweise gibt es eine beachtliche Anzahl an empirischen Studien, die die negativen Auswirkungen der sogenannten „disclosure“ dokumentieren. Disclosure kann nämlich oft dazu führen, dass Patienten weniger kritisch und aufmerksam gegenüber ambivalenten Empfehlungen sind, um die Signalisierung von Misstrauen zu vermeiden.

Die zweite Fragestellung bezieht sich darauf, wie kann man Individuen dazu bewegen kann, ihr Gesundheitsverhalten zu verbessern. Es ist beispielsweise bekannt, dass Menschen oft Entscheidungen treffen, die ihre eigene Gesundheit gefährden. Einige im Workshop präsentierte Studien haben Mechanismen evaluiert, die das Suchtverhalten mäßigen oder die Trainingsfrequenz für sportliche Aktivitäten erhöhen. Des Weiteren wurde im Rahmen der Vorträge das Thema „Nudging“ angesprochen. Hierbei geht es um milde Politikinterventionen, die das Verhalten der Bevölkerung zu beeinflussen versuchen um sozial erwünschte Ergebnisse hervorzubringen. Eine verbreitete Methode dieser Art ist das Senden von Briefen unterschiedlichen Inhaltes von den Behörden an die Bevölkerung, die unter anderem das Ziel haben, Influenza Impfraten oder Gebärmutterhalskrebs Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen. Die Ergebnisse der im Workshop vorgestellten Studien haben gezeigt, dass verhaltensbasierte Politikinterventionen (Nudges) sehr sogfältig geplant, implementiert und evaluiert werden müssen, weil ihre Wirksamkeit länder- und situationsspezifisch ist. Ein besseres Verständnis dieser Art von Interventionen gehört dementsprechend zu den Prioritäten der aktuellen (gesundheits)ökonomischen Forschung.

Zum Abschluss des Workshops hat am 7. Februar eine Podiumsdiskussion über Gesundheitspolitik stattgefunden. Teilgenommen haben Cornelia Betsch (Professorin an der Universität Erfurt), Martin Kocher (Direktor des Instituts für Höhere Studien in Wien und Professor an der Universität Wien), Josef Probst (ehemeliger Direktor des österreichischen Hauptverbands für Sozialversicherungsträger), Loukas Balafoutas (Professor an der Universität Innsbruck) und Matteo Galizzi (Professor an der London School of Economics and Politicval Science).  Die Podiumdiskussion hat die Ergebnisse des Workshops zusammengefasst und eine breite Diskussion über aktuelle gesundheitspolitische Themen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven ermöglicht.

Kontakt

Claudia Zoller
Dr. Claudia Zoller Hochschullektorin +43 512 2070 - 7431Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Lebenslauf

Forschungsförderung und Kooperation des MCI und der Caritas der Diözese Innsbruck

 

Engagiertes Handeln für und mit Menschen in Not

An den Grundauftrag der Caritas anschließend, sich den existenziellen sozialen Herausforderungen anzunehmen, einen Beitrag zur Bildungsarbeit zu leisten und die Vernetzung und Kooperation relevanter Partner/innen in allen erdenklichen gesellschaftlichen Funktionen voranzutreiben, haben sich das Center for Social and Health Innvoation (CSHI) des Management Centers Innsbruck (MCI) und die Caritas der Diözese Innsbruck auf eine Zusammenarbeit verständigt. Dabei sollen Studierende gefördert werden, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit aktiv mit Problemstellungen der täglichen Arbeit der Caritas auseinandersetzen wollen. Im Zuge kollaborativer Forschungsprojekte werden aus der täglichen Praxis der Caritas entlehnte Fragestellungen wissenschaftlich ergründet und mögliche Lösungsansätze entwickelt.

Julia Ganner und Christina Tanzer, zwei Studierende aus dem Masterprogramm International Health & Social Management des Management Center Innsbruck haben sich in einem zweistufigen Auswahlverfahren durchgesetzt und arbeiten nun in Kooperation mit der Caritas der Diözese Innsbruck und dem Center for Social and Health Innovation am MCI an Fragen rund um die Chancen, Hürden, Vorteile und Bedenken der Freiwilligenarbeit in der Alterspension.

Wir bedanken uns bei der Caritas der Diözese Innsbruck für die Chance die unseren Studierenden ermöglicht wird und gratulieren den beiden zum erfolgreichen Bewerbungsverfahren. Wir wünschen nur das Beste auf dem Weg zur Erarbeitung der Masterarbeit und freuen uns auf spannende Ergebnisse.

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