Frank Sieren über die Zukunft von China.

Frank Sieren, Journalist und einer der führenden deutschen China-Experten, als Distinguished Guest Online an der Unternehmerischen Hochschule®.

 

Journalist & China-Experte Frank Sieren über die Zukunft Chinas im MCI Livetalk. Foto: MCI
Journalist & China-Experte Frank Sieren über die Zukunft Chinas im MCI Livetalk. Foto: MCI

Kein anderer westlicher Journalist lebt wohl bereits so lange in China wie er: Frank Sieren ist Kolumnist des Handelsblattes und gilt mit seiner 25-jährigen Erfahrung als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Der Bestseller-Autor und Dokumentarfilmer sieht den Beginn eines gewaltigen epochalen Umbruchs, bei dem sich das Schwergewicht der Weltordnung in deutlicher Richtung nach Asien verlagert mit China als Epizentrum. Für den bisher tonangebenden Westen bedeutet das nach seiner Einschätzung vor allem für den Technologie-Markt die eine Phase der Rivalität.

Sieren ist überzeugt: Die Zukunft wird sich nicht mehr ohne Chinas Perspektive und Innovation gestalten lassen. Um sich weiterhin mit politischen Wertvorstellungen und Ideen in die neue Weltordnung einbringen zu können, sollte der Westen sich für den chinesischen Blickwinkel öffnen: „Wir müssen viel mehr als bisher lernen uns auf die Innovationsschübe Chinas einzustellen, und Produkte herzustellen, die China braucht“. Das neu eingerichtete China-Zentrum an der Unternehmerischen Hochschule®, unter der Leitung von Prof. Wei Manske-Wang, für den intensiven akademischen Austausch mit Universitäten in China bestätigt Sieren jedenfalls als richtungsweisend.

Die chinesischen Technologien sind den westlichen bereits ebenbürtig und schreiten in der Entwicklung aber auch anwendungstechnisch in großen Schritten voran. „Grob gesprochen sind die Chinesen geschickt, wenn es darum geht Innovationen zur Marktreife zu bringen und daraus Massenprodukte zu machen“, so Frank Sieren. Da Europa derzeit immer noch stark auf Grundlagenforschung setzt, müsse die Haltung gegenüber Innovationen wesentlich offener werden. Dass in dieser Hinsicht noch viel zu wenig Austausch herrscht, zeige in der bestehenden Krise besonders deutlich die politischen und wissenschaftlichen Schwächen Europas und sei regelrecht besorgniserregend.

Einer wie in China gelenkten Industrie- und Forschungspolitik als eventuelles Vorbildmodell kann Sieren durchaus etwas abgewinnen, nur sei das „wie“ entscheidend: führen staatliche Lenkung und Investition zu einem freien Wettbewerb, dann erhalten auch kleinere Mitbewerber die Chance aufzusteigen und das sei mit Rücksicht auf den Wirtschaftskreislauf zu befürworten. Staatsunternehmen hingegen aus vermeintlichen Gründen am Leben zu halten ist definitiv ein Punkt, wo die chinesische Regierung noch deutlich nachfassen müsse, so der Experte.

Umso wichtiger sei auch hier voneinander zu lernen und einen intensiveren Know-how Transfer anzustoßen. Frank Sieren ist sich sicher: je enger Asien und der Westen zusammenarbeiten, desto geringer die Gefahr, dass etwas schiefgeht, denn „die Chinesen haben vielleicht mehr als wir in Europa verstanden, dass man Innovation nur gemeinsam in einer globalen Gemeinschaft voranbringen kann. Sie tun es nur dann alleine, wenn man sie politisch dazu veranlasst, ansonsten sind die Chinesen sehr an Kooperationen interessiert und daran von anderen zu lernen.“

So konnten sich in China die Arbeitnehmerrechte durch die dort agierenden börsennotierten Unternehmen nach westlicheren Standards weiterentwickeln und auch das Thema Umweltschutz hat sich - anders als vom Westen weitestgehend wahrgenommen - auf Druck der Bevölkerung bereits deutlich verändert, betont Sieren. Mit weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen, wirtschaftlichen Kooperationen und der neu erstarkten Innovationskraft wird China also entscheidend zu Veränderungen auf globaler Ebene beitragen und sich klar in einer multipolaren Weltordnung positionieren.

Buchtipp: Frank Sieren, "Shenzhen - Zukunft Made in China: Zwischen Kreativität und Kontrolle - die junge Megacity, die unsere Welt verändert."
https://www.amazon.de/Shenzhen-Zwischen-Kreativit%C3%A4t-Kontrolle-ver%C3%A4ndert/dp/332860152X/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=shenzhen&qid=1621254648&sr=8-1

 

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